„Können Sie das mal schnell posten?“
Es gibt keinen Satz, der mir häufiger begegnet als dieser: „Können Sie das mal schnell posten?“ Dicht gefolgt von: „Ich schicke Ihnen gleich ein Foto oder Video, das brauchen Sie bloß einzustellen.“
Manchmal kommt tatsächlich gleich ein Foto. Oder ein Video. Manchmal kommt es auch erst zwei Stunden später. Manchmal erst am nächsten Morgen. Und fast nie kommt es in einer Qualität, die man „einfach mal schnell“ posten kann, ohne es zu bearbeiten.
Aber bleiben wir zunächst bei „mal schnell“.
Natürlich kann ich einen Beitrag schnell posten. Facebook oder Instagram öffnen, Foto oder Video hochladen, zwei Sätze dazu, veröffentlichen. Technisch gesehen ist das eine Sache von wenigen Minuten.
Nur: Das ist einfach nicht das, was ich unter einer guten Kommunikation verstehe, denn hinter jedem Beitrag steht ja die Frage „Was soll eigentlich erzählt werden?“ Bevor ich etwas poste, möchte ich zunächst wissen, worum es geht. Zumindest grob. Und diese Information brauche ich möglichst zeitnah zum Erhalt der jeweiligen Medien.
Was ist die Geschichte dahinter? Wen soll sie interessieren? Warum soll sie gerade jetzt erzählt werden? Ist das ein Thema für einen Beitrag oder eher für eine Story? Und wie erzählen wir es so, dass beim Scrollen jemand für einen Moment innehält und liest / es sich anschaut / kommentiert / likt?
Hinter fast jeder „kleinen“ Information steckt eine gute Geschichte – man muss sie nur finden. Und manchmal steckt hinter einer vermeintlichen Sensation – nun ja – ein völlig normaler Montag.
Und dann wäre da noch das Foto…
Es gibt also ein Bild… oder ein Video. Großartig! Bis das Bild kommt! Unscharf. Gegenlicht. Das Gesicht im Schatten oder es fehlen die Haare. Im Hintergrund steht ein überlaufender Mülleimer, der Person im Vordergrund wächst eine Zimmerpflanze aus dem Kopf. Und der Bürohund erbricht sich gerade rechts im Bild.
Kann man so posten, weil auch solche Bilder Geschichten erzählen – aber nicht die, die beabsichtigt sind. Vielleicht gibt es ein besseres Bild. Vielleicht können wir „mal schnell“ eins machen. Oder noch besser: Ein kurzes Video. Vielleicht machen wir auch aus dem unperfekten Bild einen Beitrag, weil es gerade einen Trend aufgreift und viral geht. Es kommt darauf an… Auch dieser Satz gehört zu meinem Berufsalltag.
Jetzt noch Text dazu – und fertig?
Fast… Der Beitrag braucht natürlich auch noch Worte und die sollten nach dem Unternehmen klingen, für das ich schreibe. Eine Buchhandlung spricht anders als eine Gärtnerei. Ein Einkaufszentrum anders als ein Lebensmittelgroßhändler. Und ein inhabergeführtes Geschäft kommuniziert anders als ein internationaler Großkonzern.
Aber genau das finde ich so spannend. Ich möchte nicht, dass jemand einen Text liest und denkt: Das hat bestimmt eine Agentur geschrieben. Im besten Fall denkt man: Ja, genau so sind die! Dann braucht das Ganze Feinschliff. Eine passende Headline, ein Format, ein Logo, eventuell einen Call-to-Action oder ein paar Hashtags. Ein Video braucht Musik, Schnitt und vielleicht eine Animation, eine Veranstaltung möglicherweise einen Link. Und irgendwann drücke ich dann tatsächlich auf „Veröffentlichen“! Halleluja!
Wie lange dauert denn also nun „mal schnell“? Manchmal tatsächlich nur 10 Minuten, wenn die Vorarbeit top ist. Manchmal eine Stunde. Und manchmal wird aus „Können Sie das mal schnell posten?“ eine Idee für eine kleine Kampagne. Aber darüber zerbreche ich mir den Kopf, das müssen meine Kundinnen und Kunden nicht machen. Genau dafür bin ich da. ?
Nur eines ist Social Media nicht: Mal schnell! Und je nach Tagesform entlockt mir dieser Satz manchmal ein Grinsen, manchmal sorgt er aber auch für erhöhten Blutdruck und eine rosige Gesichtsfarbe. Und bevor Sie fragen: Ja, ich liebe meinen Job!

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